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Gottes Barmherzigkeit übersteigt unser menschliches Verstehen

Ich bin seit mehr als 35 Jahren Pallottinerin und war in meiner Provinz in Indien in verschiedenen Bereichen tätig. Seit zehn Jahren arbeite ich nun in unserem Gästehaus in Rom. Dieser Dienst hat mir viele Gelegenheiten geboten, Menschen aus unterschiedlichsten Lebensbereichen zu begegnen. Doch eine Erfahrung im April 2026 hat mein Herz besonders tief berührt und mich erneut an die Größe der Barmherzigkeit und Liebe Gottes erinnert.

In diesem Monat hatten wir eine Gruppe Erwachsener mit Behinderungen aus Bobolice, Polen, zu Gast. Sie kamen aus der Sozialfürsorgeeinrichtung für Mädchen mit Behinderungen, eine Einrichtung, die von uns Pallottinerinnen liebevoll geleitet wird. Die Gruppe wurde von Sr. Magdalena Szymczak, der Leiterin der Einrichtung, Sr. Monika Graw und vier Pflegekräften begleitet.

Vom ersten Tag ihrer Ankunft an war ich tief von ihnen beeindruckt. Ob in den Fluren, im Speisesaal oder an der Rezeption – sie verhielten sich diszipliniert, respektvoll, liebevoll und dankbar. Sie waren fromm, fröhlich und hatten trotz ihrer körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen immer ein wunderschönes Lächeln im Gesicht. Ihre Anwesenheit brachte eine besondere Wärme und einen besonderen Frieden in unser Haus. Sie fühlten sich bei uns wirklich zu Hause, und auch wir fühlten uns durch ihre Anwesenheit gesegnet. Als ich später meine Erfahrungen mit den Schwestern in unserer Gemeinschaft teilte, drückten sie dieselben Gefühle der Freude und Bewunderung aus.

Bobolice 1 1

Was mich noch mehr bewegte, war die liebevolle Fürsorge der Begleitenden. Jede Pflegekraft kümmerte sich mit bemerkenswerter Geduld und Zärtlichkeit um die Gäste. Sie gaben ihnen zu essen, wuschen sie, halfen ihnen in den Rollstühlen und kümmerten sich um alle Bedürfnisse voller Freude und Würde. Das war nicht bloß Pflicht; es war gelebte Liebe. Als ich ihnen zusah, hatte ich das Gefühl, Zeugin zu sein, wie das Evangelium still und aufrichtig gelebt wurde.

Ein Moment hat mein Herz besonders berührt. Eine junge Frau aus der Gruppe erzählte mir, dass sie einmal pro Woche betet und fastet, um Berufungen für unsere Kongregation zu erbitten. Ich war überwältigt von ihrer Großzügigkeit und ihrem Glauben. In ihrer Einfachheit und ihrem Leiden bot sie Gott und der Kirche etwas so Kostbares an. In diesem Moment verstand ich zutiefst, dass Gottes Gnade unser menschliches Verstehen übersteigt.

Bobolice 2

Zusammen mit meinen Mitschwestern bin ich allen Schwestern und Pflegekräften zutiefst dankbar, die sich selbstlos diesem schönen Dienst in Bobolice widmen. Ihr tägliches Zeugnis spiegelt Gottes Mitgefühl und Barmherzigkeit wider. Diese Erfahrung hat mich daran erinnert, dass wir im Geheimnis der Zugehörigkeit nicht nur zu Gott, sondern auch zueinander gehören. Durch Liebe, Dienst, Geduld und Gebet werden wir zu Werkzeugen der Barmherzigkeit Gottes im Leben Anderer.

Möge Gott weiterhin jede Schwester, jede Pflegekraft und jeden Menschen segnen, die den ihnen anvertrauten Menschen liebevoll dienen.

Text: Sr. Stella Chinnappa SAC
Fotos: Sr. Bozena Olszewska SAC